Alexander Roth
Alexander Roth

@00schneemann

16 Tweets 2 reads Jan 09, 2024
Die #Bauernproteste lassen sich nicht pauschalisieren. Umso wichtiger, dass Journalist*innen gestern überall unterwegs waren. Welches vielfältige Bild dabei entstand – und warum es nicht Medien sind, die Landwirt*innen "in die rechte Ecke drängen". (1/15) zvw.de
Vorneweg: mir geht es hier nicht um die Frage, wie berechtigt die Anliegen sind, wie maßvoll die #Bauernrpoteste – das können andere besser einordnen. Mir geht es um die Frage: Ist der #Bauernprotest rechts? Erleben wir Vergleichbares wie damals mit der #Querdenker-Szene (2/15)?
Die Proteste sind nicht homogen, schon in der Form nicht: Mancherorts wurden gezielt Autobahn-Auffahrten blockiert, um den Verkehr lahmzulegen. In #Stuttgart wählten die Veranstalter für ihre Fahrten Zeiten außerhalb des Berufsverkehrs. "Wir wollen niemanden blockieren." (3/15)
Es gab radikale Plakate, die auf Gewaltbereitschaft hindeuten, Traktoren mit Ampel am Galgen und andere Hetze gegen Politiker*innen, Medienschaffende etc. – in manchen Fällen ermitteln deswegen schon die Behörden. (4/15)
ndr.de
Es gab aber vielerorts, auch in #Stuttgart, den Aufruf zum sachlichen Dialog, zum Verzicht auf persönliche Angriffe und Distanzierungen von Gewalt. Landwirt*innen pauschal als #Mistgabelmob zu diffamieren wird der Realität nicht gerecht. (5/15) zvw.de
Der Vergleich zur #Querdenker-Szene hinkt und spielt vor allem #Querdenker*innen in die Karten. Diese wünschen sich mehr, Teil der #Bauernproteste zu sein, als sie es tatsächlich sind. Man bewirbt die Demos, als wären es die eigenen und war natürlich vielerorts präsent. (6/15)
Der große Unterschied ist: #Querdenker-Demos wurden von verschwörungsgläubigen Menschen initiiert, die teils #Reichsbürger-Bezüge aufwiesen oder offen rechtsextrem waren. Deren Themen waren zentraler Bestandteil der Proteste. (7/15) zvw.de
Das ist beim Großteil der #Bauernproteste für mich nicht erkennbar. Es gab gestern friedliche Proteste mit klarer Distanzierung von Demokratiefeinden, es gab Reaktionen auf Vereinnahmungsversuche, die man missglückt finden kann (z.B. in #Stuttgart). (8/15) zvw.de
Es gab vielerorts auch rechtsextreme Symbole/Sprüche zu sehen. Auch unter Landwirt*innen gibt es selbstverständlich Anhänger*innen verfassungsfeindlicher Ideologien. Mein Eindruck: Wo rechter Protest etablierter ist, waren #Bauernproteste rechter. (9/15)
Welchen Fehler wir vermeiden sollten: Nicht alles, was sich #Bauernprotest nennt, ist #Bauernprotest. In #Dresden gab es beispielsweise eine von den "Freien Sachsen" initiierte rechtsextreme Demo. Kollege @glr_berlin hat das klar eingeordnet. (10/15) x.com
Womit wir bei dem Vorwurf wären, "die Medien" würden #Bauernprotest "in die rechte Ecke drängen". Kriegen wir häufig zu hören, oft von Rechten. Ist so oder so Bullshit – ich habe gestern sehr viel differenzierte Berichterstattung gelesen. (11/15)
Dass Rechtsextremisten die #Bauernproteste vereinnahmen wollen, ist unstrittig. Alle Internetpräsenzen rechtsextremer Parteien sind voll von Belegen. Diesen Kram muss ich nicht nochmal verbreiten. Ein paar Beispiele habe ich hier gesammelt. (12/15) zvw.de
Rechtsextremisten passt natürlich nicht, wenn man differenziert drauf hinweist. Deshalb gehen sie strategisch vor: Sie werfen Medien "Spaltung" vor. Damit verfolgen sie zwei Ziele: Ein gemeinsames Feindbild schaffen ("wir gegen die") und berechtigte Warnungen abschwächen. (13/15)
Es sind Rechtsextremisten, die die #Bauernproteste in die rechte Ecke drängen wollen. Um sie zu instrumentalisieren. Ihnen geht es nicht um die Landwirt*innen und ihr Anliegen, sondern um die eigenen Ziele: Das Abschaffen der Demokratie. (14/15) tagesschau.de
Schauen wir also weiter kritisch hin. Benennen rechtsextreme Symbole und radikale Aussagen wo sie uns begegnen. Benennen aber auch Abgrenzungsversuche, geglückte wie missglückte. Und lassen uns nicht zu pauschalisierenden Hot Takes hinreißen. Es ist kompliziert. (15/15)
Nachtrag: Habe aus Teilen dieses Threads einen Artikel gemacht, hier zu zu finden.

Loading suggestions...